Nachmittag zwischen Sträuchern und Laube: Langsamer werden. Ablegen. Wasser über das Grün spritzen. Die Stare aus dem Kirschbaum verscheuchen. Und für den Moment die Gedanken ausschütteln in den warmen Wind, der über die Gärten schlendert.

Anderer Supermarkt, es naht das lange Wochenende. Über vollen Gängen spricht eine sonore Stimme von historischer Verantwortung, derweil kaufen ältere Teenager Bier für die jüngeren, die auf dem Parkplatz warten. Im grellen Bunt legt sich ein staubiges Grau auf Geist und Seele.

»Wenn ich tot bin, soll mir mal einer mit Auferstehung oder so kommen: ich hau ihm eine rein.«

43. Todestag Arno Schmidt
(18. Januar 1914 – 3. Juni 1979)

Der kleine Krimi:

Ein Schrei gellt durch die schwarze Nacht.

FIN.

Zu viel Stadt. Hier sind die Häuser höher als die Bäume, ist Beton windig und kalt, spiegelt das Glas keine Sonne mehr. Man hält Abstand, weil die Spannung zwischen den Menschen abstößt. Man schlängelt sich durch Gassen und Vorabend, bleibt im Schatten. Durchatmen erst am Fluss.
Am Weg: Sonnenaufgang über dem Fluss. Brückenschatten. Nasser Asphalt unter den Rädern. Kurzer Regen hat Staub von den Gräsern gewaschen, strahlend grün ruhen die Wiesen. Alte Düfte, Reptilienhirn, Flashback, dann rollt der Tag weiter im anderen Viertel. Habt es ruhig heute!

Apokalyptische Dunkelheit über Rixdorf-Berlin. Regenschwere Fracht der Hinterhof-Kastanie berührt den Boden. Vögel machen Radau. Die Katzen liegen auf der Lauer. Und ich knips ein elektrisches Licht an ...

Die SZ über den Briefwechsel zwischen Gertrud Zenzes und Gottfried Benn aus dem Hause Klett-Cotta/Wallstein.
sueddeutsche.de/kultur/gottfri

: Ìch=ùngerächt? : wirrsD’s ja selber sehn, wie Die förmlich druff studiern, : daß’s ja immer=später wird, und Se hier übernachtn könn’n! (Und für Unsereins \ Dich & Mich heißt’s dann ›Nachtruh Adé!‹)

Gute Nacht mit Arno Schmidt und der Schule der Atheisten.

I - Alan Isler, Der Prinz der West End Avenue, 1995

erster Satz:
„Die letzten Wochen sind nicht leicht für mich gewesen.“

aus der Mitte:
„Nun, wenigstens Blum kommt voran.“

Schlusssatz:
„In Bereitschaft sein ist alles.“

Trotz allem. Von Versuchen, Worte zu finden. Vielleicht Antworten. Oder zumindest Fragen. Ziellos und konfus wie meist.
dm.zimmer428.net/2022/03/trotz…

Ich habe einen kleinen Blog-Artikel zur Interaktion auf Mastodon geschrieben, was ich so in den letzten Wochen gelernt habe.

Vielleicht kann es jemand brauchen, der oder die #neuHier ist.

write.tchncs.de/~/BubbleBla/%2

"Betrachtung heißt: Ich werde dem Gegenstand einverleibt und von diesem beseligt."
(Peter Handke, in: "Phantasien der Wiederholung")

Hier allen ein feines Wochenende!

Außerhalb der Stadt bleibt es warm. Ewige Randgebiete. Häuser unter bemoosten Dächern, hinter morschen Lattenzäunen. Stahlgerippe, zwischen denen Hochspannungsleitungen knistern. Es duftet nach Raps und warmem Teer. Alles atmet die indifferenzierte Schwere späten Nachmittags.

Unter dem Boden schlummert der Berg;
Und über dem Sand, der mich auffrißt,
Hängt tot wie die Sonne der Fluß
Mit seinem verführenden Flügel.
Überall war ich, ein Hund zum Verscheuchen
In der Verkehrung der Welt,
Meine Spur im Sandsturm verloren
Wie ein Wort, dessen Buchstaben fehlen,
Wie ein Name, den keiner trägt.

(Cees Nooteboom, "Empty Quarter", in: "Gedichte")

H - Helon Habila, Öl auf Wasser, 2012

erster Satz:
„Ich gehe einen vetrauten Weg.“

aus der Mitte:
„Das Haus der Floods gehörte zu den vielen Kolonialstilgebäuden im Hafengebiet von Port Harcourt, in dem die meisten wohlhabenden ausländlsichen Angestellten der Ölfirmen wohnten.“

Schlusssatz:
„Ich drehte mich um und stieg vom Hügel.“

Später: Gähnen. Nochmal erfolglos versuchen, die nahende Nacht aus den Augen zu reiben. Leise Musik in den Höfen, entfernt vertraute Klänge, doch die Erinnerung kommt nicht weiter. Feuerwerk über dem Fluss, grell flackerndes Bunt. Der Rest dieses Dunkels ist regenlos und mild.

»Fröhlich : es iss ja gar nich so sehr ›Nacht‹, daß Alles betäubt & wie verzaubert ’rum=läge; das zierlichste Lebm knuspert!, Käferchen morsn; das Käuzchen kommt ans Fenster & wünscht eine Gesegnete Mitternacht ... : ?«

Gute Nacht mit Arno Schmidt und Zettel’s Traum.

Es wird Mittag, es wird wärmer. Die Straßenbahn fährt durch die Haltestelle, wirbelt Staub in die Augen. Beton zwischen und neben den Schienen, grelles Innenstadtlicht, blasse Farben. In den trockenen Büschen vor der Glasfront träumen die Vögel des anderen Viertels vom Wald.

G - Julien Gracq, der Versucher, 1945, deutsch 2014

erster Satz:
„An diesen gleitenden, entfliehenden Tagen im Spätherbst erinnere ich mich mit besonderer Vorliebe an die Avenuen dieses kleinen Strandes in der plötzlich so merkwürdig still gewordenen Nachsaison.“

aus der Mitte:
„Ich wirble mühsam eine ganze Masse von traurigen und stagnierenden Gedanken auf.“

Schlusssatz:
„Er hörte, wie sich die Tür wieder öffnete und sah ruhig aus der Tiefe des Zimmers seine letzte Stunde auf sich zukommen.“

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